tja, meine hoffnungen haben sich leider zerschlagen, und demütigst bin ich wieder zurückgekehrt zu meinem flan und meinem brot. aber vor heute kommt ja immer noch gestern, und das gestern war ein scheußlich kalter tag, an dem ich froh war um das ganze alpacazeugs, das ich mir in bolivien gekauft hatte. es ist ja auch ein wahnsinn hier. vorgestern habe ich noch in der sonne gebadet, gestern rannte ich schon im wollpullover herum. ich sehe es nicht ein, dass es hier einen winter gibt. dauern hoffe ich, dass sich die chilenen trotz jahrzehntelanger erfahrung irgendwie irren, wenn sie behaupten, dass es bald schneit, aber ich fürchte und spüre immer mehr, dass ich mit dieser einstellung nicht weit komme.
gestern hatten wir damenbesuch. eine der damen, beatrice, hatte einen wiener vater und hat als kind einmal deutsch gesprochen, aber wieder verlernt.schlimm, eine sprache zu vergessen. jedenfalls wollte sie mich kennenlernen, und ich durfte mich an ihren reich gedeckten tisch setzen. lucia hat mich daraufhin vorgeführt wie eine dame ohne unterleib, ich glaube, ein bisschen stolz war sie trotzdem, so ein exotisches österreichisches exponat unter ihrem dach zu beherbergen. alles, was sie sagte, klang, typisch für sie, wie eine mathematische formel oder anklage, je nach dem: sie hört keine musik(!) und schaut nie fern! sie ist agnostikerin! sie trägt keine hausschuhe! sie mag keine schokolade/avocado/blabla! sie hört nicht auf mich!
ich wundere mich immer wieder, wie manche menschen behaupten können, etwas existiere nicht, nur weil sie es nicht sehen können. das sind übrigens, ist mir aufgefallen, meistens die gleichen menschen, die auch glauben, dass etwas bestimmtes existiert, das sie aber nicht sehen können, also sehr verwirrend, das ganze.
jedenfalls drohten die drei damen später, sie würden nach österreich kommen und ich sollte dann bitteschön fesche freunde meines vaters für sie bereitstellen, je nach wunsch zwanzig jahre älter bzw. 30 jahre jünger als sie. die beatrice zeigte dann fotos von mailand, nürnberg und wien, aber die männer blieben das lieblingsthema, wie immer.
jedensmal, wenn ich heimkomme, fragt mich lucia mit einem grinsen, ob ich denn (endlich) einen mann gefunden hätte. sie behandelt mich wie die blue roses in the glass menagerie. wenn ich armes schwein dann sage, aber ich will ja gar keinen freund, muss ich mir bei anderer gelegenheit anhören: du hast angst vor männern, stimmts?
jedenfalls ging es dann um folgende fragen: wie verführt ein österreichischer mann eine frau? wie lange dauert es, bis man miteinander ins bett geht? einen tag? ich war die ganze zeit am lachen. ältere damen sind echt die härte, wenn sie unter sich sind. so kam es auch, dass sie erst gegen zwölf und nachdem ich ihnen versprochen hatte, dereinst mit ihnen auszugehen, verschwanden.
deshalb fuhr ich erst gegen mittag nach san antonio. san antonio ist eine hässliche stadt mit einem noch hässlicheren, aber sehr wichtigen hafen und einem fischermarkt. der fischermarkt war wirklich klasse: eine windschiefe hütte, in die regelmäßig gewaltige wellen einbrechen, lustige fischverkäufer mit weißen gummistiefeln und jede menge fisch und muscheln und mir unbekanntes, höchst seltsames meeresgetier. es war sehr, sagen wir mal, pittoresk. das tollste aber waren die seelöwen und die pelikane, ein symbiotisches gespann, das sich rund um den hafen herumtrollte und die man mit fischköpfen für ca. 15 cent füttern konnte. faszinierende viecher! nach einer kleiner hafenrundfahrt, die mich an eine andere rundfahrt in essaouira erinnerte (überhaupt alles!), wo mir nur noch eine bestimmte person fehlte, war das wasser in meinem körper mehr fest als flüssig, und ich ging in eine restaurant, um mich aufzuwärmen. zur feier des tages bestellte ich eine paila marina, das ist eine typisch chilenische suppe mit fisch und meeresfrüchten, hätte ich mal vor deren komsumation gesagt.
jetzt sage ich: paila marina, das ist ein spülwasser mit fischabfällen und muscheln, die kurz vor ihrem tod sand gefressen haben müssen, als so ne art maritimes überraschungsei (eine winzige perle habe ich übrigens auch gefunden, und ein paar knochensplitter, von den gräten ganz zu schweigen). es war nicht so, dass es arg unappetitlich oder schlecht war, ich hatte einfach nicht den eindruck, dass es etwas zu essen war. ich wusste ja nicht, ob das vielleicht so gehörte. deswegen sagte ich nur: danke, gut, als der kellner just in dem moment, in dem ich den sand ausspucken wollte, mich fragte, ob die suppe gut sei.der sand war ja eindeutig nicht in der suppe, sondern in einigen von den viechern! außerdem: kleine kinder essen schließlich ja auch sand und leben noch!
nun, danach war mir immerhin warm. dann ging ich nach draußen, wo mir der wind die seele aus dem leib blies und mich spüren ließ, dass es zeit war zu gehen. die paila marina ist für mich jedenfalls im wahrsten sinne des wortes gegessen. so war mein ausflug kulinarisch gesehen wieder mal ein reinfall.
morgen bin ich jedenfalls zum essen eingeladen. vielleicht wird ja doch alles gut...
Samstag, 12. April 2008
Freitag, 11. April 2008
das culinarische curiositaetenkabinett
mittlerweile hat sich in meinem kleinen episodenbüchlein, das ich führe, um mich mit achtzig noch an chile erinnern zu können, doch schon einiges fragwürdiges im bereich "essen & trinken" angesammelt. ich könnte jetzt auch schreien: ich bin in chile, holt mich hier raus! und man könnte mir sagen: koch doch selber! in wahrheit kann ich nur dort kochen, wo ich mich zuhause fühle. gestern nämlich habe ich das erste mal richtig gekocht und habe mir gedacht, dass dieser anlass doch einen blogeintrag fordert. natürlich wäre es jetzt hiermit getan, und der erkenntnisgewinn bei der lektüre dieser drei sätze ginge gegen null, drum will ich mal aus dem kulinarischen nähkästchen plaudern:
ich muss immer wieder sagen und darf es doch nicht, dass in chile ein sehr nordamerikanischer lifestyle vorherrscht. so auch beim essen. hauptsache viel und ungesund! in chile gibt es auch noch sowas wie familien. deswegen gibt es hier die größten packungen von allem, die ich je gesehen habe. und genau deswegen sind auch die supermärkte (lider, santa isabel, jumbo) meistens extrem riesig, muss ja alles platz haben, das zeug, logisch!
meine zwei frustrierendsten esserlebnisse (fairerweise muss man zugeben, dass eins untypischerweise in argentinien stattgefunden hat) waren pizza ohne tomaten und lasagne mit omeletteteig statt nudelteig. man hüte sich also vor der sog. pizza italiana bei pizza hut, denn man sieht dem heimtückischen ding die abwesenheit von tomaten in keinster weise an!
wie in den meisten ländern, in denen das essen nicht gerade hervorragend ist, sind es dafür die süßspeisen und bäckereien. hier gilt: wo in österreich ein zuckerguss reicht, braucht es hier noch eine füllung. sehr lecker also! krapfen, die hier "berlin" heißen, sind immer mit vanille- oder karamellcreme gefüllt. überhaupt gibt es hier in der süßspeisenabteilungen einen eindeutigen karamellüberschuss. besonders beliebt gemacht haben sich bei mir die sog. flans. ich habe das ganze kühlregal durchprobiert (von chemisch bis reiner zucker) und bin bei nestlé hängen geblieben, obwohl ich ungern sachen von nestlé kaufe.
ganz typisch sind hier die empanadas. man könnte sie als chilenische nationalspeise betrachten, wenn sie es nicht in peru, bolivien und argentinien genauso wären. empanadas sind gefüllte teigtaschen, manchmal halbmondförmig, manchmal quadratisch. gefüllt sind sie mit fleisch, käse, schinken, meeresfrüchten oder tomaten mit zwiebeln, und es gibt sie überall, auf der straße und im nobelrestaurant, und in jedem zustand, von extrem lecker bis eher grausige tiefkühlkost.
ansonsten gibt es auf der straße, hier vor allem downtown bei den busbahnhöfen und in kleineren dörfern, leute, die auf den straßen selbstgemachte empanadas, getränke und sandwiches verkaufen. legendär sind auch die eisverkäufer. sie rennen mit einem karton herum, von dem man niemals vermuten würde, dass er als tiefkühltruhe dient, und meistens verkaufen sie ihr eis im bus und schreien "helado, helado". im bus geht sowieso die post ab: alles wird im bus verkauft, von bandagen bis zu geldtaschen, und auf meiner strecke steigt öfter mal ein herr ein und singt seemannslieder, wirklich klasse. es gibt aber leider auch leute, die singen weniger als darbietung, sondern um auf sich aufmerksam zu machen, wie mir scheint. denen gibt man dann was, damit sie aufhören. aber ich schweife ab!
bemerkenswert wäre auch die tendenz zum deutschen (es gibt auch "österreichische" konditoreien). in manchen supermärkten tragen die wurstverkäufer tirolerhüte und schürzen, die so tun, als seien sie lederhosen. außerdem gibt sog. bierstuben und eine fastfoodkette namens "fritz", bei der unter dem slogan "tradicion aleman" (also deutsche tradition) hotdogs von kopftuchtragenden bedienungen verkauft werden. richtig deutsch eben. dazu muss man auch sagen, dass die hotdogs hier mit kalter dickflüssiger tomatensauce und zäher avocadosauce (überhaupt ist avocado hier das nonplusultra) auf den tische kommen, also ich kann das zeug nicht essen und ess dann lieber einen bigmac um einen euro. außerdem findet man immer wieder mal produkte mit deutschen verpackungen, was daran liegen könnte, dass der besitzer vom lider deutsche vorfahren hat.
was ich ganz schlimm finde, ist die tatsache, dass die meisten leute, die was mit essenausgabe zu tun haben, einen mundschutz tragen. ich finde das übertrieben steril. außerdem weckt es in mir assoziationen zu gefährlichen, ansteckenden krankheiten, was ja nicht der sinn der sache ist, nehme ich mal an.
hingegen schön finde ich dinge wie lachsfischstäbchen ( lachs ist ja was typisch chilenisches und ziemlich billig, klasse kombination auch mit dem hier ebenfalls extrem billigen und guten sekt), violetten paprika, rote kartoffeln und die tatsache, dass die brombeere hier angemessen verherrlicht und nicht wie in österreich wie ein kulinarisches stiefkind behandelt wird.
blöd finde ich, dass es hier keinen fruchsaft ohne nix gibt, also entweder sind zwanzig verschiedene süßungsmittel drin oder jede menge zucker, was ja bei einem apfelsaft nicht unbedingt erforderlich ist. überhaupt gibt es hier eher wenige pure produkte (von der riesigen auswahl an obst und gemüse mal abgesehen), alles kommt mit einem "geschmack nach..." daher, und überall werden irgenwelche dinge zugesetzt, die überhaupt nicht notwendig sind, und dreijährigen kindern, die überhaupt nicht danach verlangt haben, werden chips und cola in die hand gedrückt.
natürlich gibt es auch neben der urbanen supermarktesskultur noch eine andere seite, nämlich die kleinen, einfachen, billigen restaurants in kleineren orten. hier bekommt man für wenig geld recht solides essen, aber leider gibts in santiago selbst nur entweder gehobene gastronomie, zwielichtige spelunken oder eben dieses fastfoodzeugs.
in diesem sinne: es lebe the countryside, und morgen ist es wieder soweit! zum schluss möchte ich noch hinzufügen, dass mir bewusst ist, dass dieser eintrag in seiner ausführlichkeit den einen oder die andere mdb-studentin vielleicht an die ergüsse eines bestimmten verwandten dritten grades erinnern könnte. dazu sei gesagt, dass zu meiner regelmäßigen lektüre daheim diverse kochbücher zählen und ich daher nicht anders kann, denn: gutes essen gehört bei mir eindeutig in die top drei der lebenswichtigsten dinge, ein thema, das mich immer sehr beschäftigt. und jetzt geh ich essen!
mahlzeit!
ich muss immer wieder sagen und darf es doch nicht, dass in chile ein sehr nordamerikanischer lifestyle vorherrscht. so auch beim essen. hauptsache viel und ungesund! in chile gibt es auch noch sowas wie familien. deswegen gibt es hier die größten packungen von allem, die ich je gesehen habe. und genau deswegen sind auch die supermärkte (lider, santa isabel, jumbo) meistens extrem riesig, muss ja alles platz haben, das zeug, logisch!
meine zwei frustrierendsten esserlebnisse (fairerweise muss man zugeben, dass eins untypischerweise in argentinien stattgefunden hat) waren pizza ohne tomaten und lasagne mit omeletteteig statt nudelteig. man hüte sich also vor der sog. pizza italiana bei pizza hut, denn man sieht dem heimtückischen ding die abwesenheit von tomaten in keinster weise an!
wie in den meisten ländern, in denen das essen nicht gerade hervorragend ist, sind es dafür die süßspeisen und bäckereien. hier gilt: wo in österreich ein zuckerguss reicht, braucht es hier noch eine füllung. sehr lecker also! krapfen, die hier "berlin" heißen, sind immer mit vanille- oder karamellcreme gefüllt. überhaupt gibt es hier in der süßspeisenabteilungen einen eindeutigen karamellüberschuss. besonders beliebt gemacht haben sich bei mir die sog. flans. ich habe das ganze kühlregal durchprobiert (von chemisch bis reiner zucker) und bin bei nestlé hängen geblieben, obwohl ich ungern sachen von nestlé kaufe.
ganz typisch sind hier die empanadas. man könnte sie als chilenische nationalspeise betrachten, wenn sie es nicht in peru, bolivien und argentinien genauso wären. empanadas sind gefüllte teigtaschen, manchmal halbmondförmig, manchmal quadratisch. gefüllt sind sie mit fleisch, käse, schinken, meeresfrüchten oder tomaten mit zwiebeln, und es gibt sie überall, auf der straße und im nobelrestaurant, und in jedem zustand, von extrem lecker bis eher grausige tiefkühlkost.
ansonsten gibt es auf der straße, hier vor allem downtown bei den busbahnhöfen und in kleineren dörfern, leute, die auf den straßen selbstgemachte empanadas, getränke und sandwiches verkaufen. legendär sind auch die eisverkäufer. sie rennen mit einem karton herum, von dem man niemals vermuten würde, dass er als tiefkühltruhe dient, und meistens verkaufen sie ihr eis im bus und schreien "helado, helado". im bus geht sowieso die post ab: alles wird im bus verkauft, von bandagen bis zu geldtaschen, und auf meiner strecke steigt öfter mal ein herr ein und singt seemannslieder, wirklich klasse. es gibt aber leider auch leute, die singen weniger als darbietung, sondern um auf sich aufmerksam zu machen, wie mir scheint. denen gibt man dann was, damit sie aufhören. aber ich schweife ab!
bemerkenswert wäre auch die tendenz zum deutschen (es gibt auch "österreichische" konditoreien). in manchen supermärkten tragen die wurstverkäufer tirolerhüte und schürzen, die so tun, als seien sie lederhosen. außerdem gibt sog. bierstuben und eine fastfoodkette namens "fritz", bei der unter dem slogan "tradicion aleman" (also deutsche tradition) hotdogs von kopftuchtragenden bedienungen verkauft werden. richtig deutsch eben. dazu muss man auch sagen, dass die hotdogs hier mit kalter dickflüssiger tomatensauce und zäher avocadosauce (überhaupt ist avocado hier das nonplusultra) auf den tische kommen, also ich kann das zeug nicht essen und ess dann lieber einen bigmac um einen euro. außerdem findet man immer wieder mal produkte mit deutschen verpackungen, was daran liegen könnte, dass der besitzer vom lider deutsche vorfahren hat.
was ich ganz schlimm finde, ist die tatsache, dass die meisten leute, die was mit essenausgabe zu tun haben, einen mundschutz tragen. ich finde das übertrieben steril. außerdem weckt es in mir assoziationen zu gefährlichen, ansteckenden krankheiten, was ja nicht der sinn der sache ist, nehme ich mal an.
hingegen schön finde ich dinge wie lachsfischstäbchen ( lachs ist ja was typisch chilenisches und ziemlich billig, klasse kombination auch mit dem hier ebenfalls extrem billigen und guten sekt), violetten paprika, rote kartoffeln und die tatsache, dass die brombeere hier angemessen verherrlicht und nicht wie in österreich wie ein kulinarisches stiefkind behandelt wird.
blöd finde ich, dass es hier keinen fruchsaft ohne nix gibt, also entweder sind zwanzig verschiedene süßungsmittel drin oder jede menge zucker, was ja bei einem apfelsaft nicht unbedingt erforderlich ist. überhaupt gibt es hier eher wenige pure produkte (von der riesigen auswahl an obst und gemüse mal abgesehen), alles kommt mit einem "geschmack nach..." daher, und überall werden irgenwelche dinge zugesetzt, die überhaupt nicht notwendig sind, und dreijährigen kindern, die überhaupt nicht danach verlangt haben, werden chips und cola in die hand gedrückt.
natürlich gibt es auch neben der urbanen supermarktesskultur noch eine andere seite, nämlich die kleinen, einfachen, billigen restaurants in kleineren orten. hier bekommt man für wenig geld recht solides essen, aber leider gibts in santiago selbst nur entweder gehobene gastronomie, zwielichtige spelunken oder eben dieses fastfoodzeugs.
in diesem sinne: es lebe the countryside, und morgen ist es wieder soweit! zum schluss möchte ich noch hinzufügen, dass mir bewusst ist, dass dieser eintrag in seiner ausführlichkeit den einen oder die andere mdb-studentin vielleicht an die ergüsse eines bestimmten verwandten dritten grades erinnern könnte. dazu sei gesagt, dass zu meiner regelmäßigen lektüre daheim diverse kochbücher zählen und ich daher nicht anders kann, denn: gutes essen gehört bei mir eindeutig in die top drei der lebenswichtigsten dinge, ein thema, das mich immer sehr beschäftigt. und jetzt geh ich essen!
mahlzeit!
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